Zurück nach Spanien – Winterlager in Lissabon

In La Linea angekommen bekomme ich ja erst mal einen Schrecken, eigentlich wollte ich Steffi und Kosta hier wiedertreffen. Die beiden hatte ich in Cadiz kennengelernt. Es soll nun aber anders kommen, am Nachmittag sehe ich Kosta allein in dem Schiff sitzen. Tja meint er, die Steffi habe einen Schlaganfall gehabt und liegt im Krankenhaus in La Linea. Richtig schlimm sei es zwar nicht, aber es wisse im Augenblick auch niemand genau was jetzt gewesen sei und wie es weitergeht. Ohhh man, so hatte ich mir ein Wiedersehen nicht vorgestellt.

Ich schaue mir des Nachmittags noch La Linea an, so richtig gefallen will es mir hier aber nicht. Im ganzen ist das schon recht ärmlich hier. Ein paar schöne Plätze in der Innenstadt in der Strasse parallel zur Bucht, viele Tapasbars, richtig schön. Je weiter es aber von der Bucht weggeht, destso unheimlicher ist es. Einmal Abends bin ich auf dem Weg zurück zum Schiff noch durch eine Gegend gelaufen die voller Unrat lag. Die Häuser total versifft, dann noch Hinweisschilder auf die Drogenberatungsstelle an den Laternenpfählen . . OhhGottOhhGottOhhhhGott, da bin ich aber richtig schnell geworden, das ich von dieser Straße wieder wegkomme. Ich bin ja drei Tage in der Stadt, hier will es mir auch nach dem dritten Tag nicht besser gefallen. Einzig die Nahe Lage zu Gibraltar und die extremst günstigen Mietwagenpreise machen das hier richtig interessant. So will ich lieber schnell weiter nach Algeciras . . .

Nun muss ich auch noch zum Zahnarzt. Der Zahn, der auch schon die Abreise ein wenig verschoben hat macht wieder Probleme. Also ab ins Hafenbüro mal fragen ob die einen kennen, der im Zweifel auch englisch kann. Gesagt, getan, gefragt. Ja sag das Mädel sie kenne einen “Clinica Febreo” und schreibt dann direkt an dem Zettel weiter den sie vor sich hat. Ich warte . . . und warte . . . und warte . . . nun ja, frage ich, haben Sie da auch eine Adresse für mich, ich könne auch gerne warten bis sie fertig sei, sie müsse mir nur sagen wie lang das dauert . . . schon ein wenig komisch in der Marina. Auch das die Ankerlieger nicht mal Freunde mit dem Dinghy besuchen und dann das Dinghy am Steg festmachen dürfen macht die Marina ein wenig unsympathisch.

Beim Zahnarzt wird es auch nicht besser, aber das ist ja meine eigene Schuld . . . tja, meint nun der Zahnarzt, erst mal Antibiotika, und dann müsse der Zahn wohl raus, den noch mal zu flicken würde eigentlich keinen Sinn machen, wer weiß wie lang der dann wieder hält. Urgs, blöd, Pech gehabt, damit hatte ich nicht gerechnet. Aber egal, Hauptsache es wird erst mal besser.

In Algeciras ist es nur ein wenig schwieriger einen Liegeplatz zu bekommen. Mein Spanisch ist ja nicht so gut das ich per UKW den Hafenmeister anrufen kann um nach einem Liegeplatz zu fragen. Wartestege zum anmelden gibt es hier nicht, die Häfen sind nicht auf Gastlieger eingestellt. Die Hafenmeister sprechen auch nur spanisch . . . Am ersten Hafen gibt es zwar einen Steg an dem ich festmachen kann, das Tor um aufs Land zu kommen ist aber auch von innen nicht zu öffnen, mhhm, Blöd . . . der Opi, der gerade vorbeikommt weiß auch nicht wo ein Hafenmeister zu finden ist . . . mhh, nochmal Blöd, also auf zur nächsten Marina. Mit dem Fernglas kann ich sehen, das bei dem Steg an dem ich auch festmachen kann auch das Tor auf ist. Puuh, Glück gehabt. Es kommen auch gleich zwei Marineros angelaufen. Leider ist auch hier kein Platz für ein Schiff meiner Größe frei, 10 Meter würden sie ja noch unterbringen können, aber 13 . . . OK, ich irgendwie schaffe ich mich soweit verständlich zu machen das Sie für mich den anderen Hafenmeister per UKW anfragen. GottSeiDank . . . Der andere Hafenmeister fragt dann extra noch dreimal nach ob mein Schiff wirklich 13 Meter sei . . . “Ja” lasse ich ausrichten . . . langsam wird mir mulmig . . . als ich dann die Mooringleine aufnehme wird mir klar warum er so oft gefragt hat . . . die Leine ist ein wenig kurz, ich bekomme sie noch gerade eben einmal auf die Klampe gelegt, belegen lässt Sie sich nicht, Urgs. Egal, da kann ich mich später ‘drum kümmern. Erst mal anmelden.

Der Angestellte im Büro spricht wieder englisch, das macht es einfacher und billig ist es hier auch, 20 EUR pro Nacht, Strom und Wasser inklusive sehr angenehm! Nun bin ich ja mal auf Algeciras gespannt. Über La Linea und Gibraltar hatte ich ja nur gutes gehört, Algeciras soll eher hässlich sein . . . aber mal selber schauen.

Ein unschönes Dingen gleich vorneweg: der Sportboothafen liegt mit ziemlicher Sicherheit an dem Kanal an dem das Klärwerk seine Abwässer einleitet. Auf dem Weg zur Stadt muss man immer da vorbei, 2 Minuten Luft anhalten, dann ist es aber auch schon überstanden. Im Hafen selber riecht man davon GottSeiDank nichts.

Bis zur Innenstadt ist es ein wenig zu laufen, OK, der erste Eindruck ist hier nicht so dolle, die Vororte machen schon einen verwahrlosten Eindruck, es wird aber auch langsam dunkel . . . Die Innenstadt selber mit seinen riesigen Industrieanlagen hat für mich als Ruhrpottler schon einen gewissen Charme. Sooo schlimm ist es jetzt nicht 😉

Am nächsten Tag so bei Tageslicht . . . sooo schlimm wie immer alle sagen ist es hier wirklich nicht. Einen Vorteil hat die Stadt in jedem Fall: es wimmelt hier nicht vor Ausländischen Touristen. Ich musste ein wenig suchen aber dann finden sich die Straßen mit den Tapasbars, die für schmales Geld leckere Tapas bieten. Und richtig grün ist es hier auch, in fast jeder Straße gibt es Alleebäume, große Hinterhöfe, viele Vorgärten und Parks, echt nett!

Nach drei Tagen geht es aber auch hier wieder weiter, ein paar Häfen will ich ja noch besuchen. Tarifa werde ich aber mit dem Auto “anlaufen”, der Wind soll wieder heftig auffrischen, und hier in der Straße von Gibraltar heißt das immer, das auf der Leeseite 2 BFT mehr herrschen als vorhergesagt werden . . BFT 5 ist für den nächsten Nachmittag in Tarifa angesagt . . . die Strömung steht gut das ich morgens aus Algeciras loskomme und am frühen Nachmittag an Tarifa vorbeikomme.

In der Tat ist es dann so wie gedacht, ich hatte nur das Vorsegel gehisst und in Tarifa wurden es dann die erwarteten7 BFT und das auch noch mit fürchterlichen Wellen . . . Ich hatte mich blöderweise ein wenig auf eine Anleitung verlassen die ich im Internet gefunden hatte, ich war aber viel zu weit auf die Afrikanische Seite gelangt. Hier hatte sich die Strömung schon so weit gedreht das der Wind gegen den Strom stand . . . mit der Auswirkung, das sich sehr steile hohe Wellen bilden. So schlimm, das ich alle 5 Sekunden das Steuerrad um 2 Umdrehungen drehen musste und die nOa trotzdem 50 Grad aus den Ruder lief. Da mal eben nach unten gehen und Nachschauen wo ich bessere Strömung finden kann . . nicht dran zu denken. Ich brauche dringend meine Hydraulische Selbststeueranlage!

Also bis nach Barbate nach den “falschen” Wegpunken durchhalten. Es ist zwar nicht angenehm zu segeln, aber es geht ja.

In Barbate treffe ich dann auch eine deutsche Rentnertruppe wieder. Mich hat ja auch dieses Mal verwundert: schon beim ersten Mal sind die gar nicht in die Stadt zum essen gegangen. Jetzt auf dem Rückweg schon wieder nicht . . . warum machen die nur einen Segelurlaub in Spanien, wenn sie eh nur auf dem Schiff deutsche Gerichte kochen und sich nix ansehen? Ich werd es nicht verstehen. Egal, die Umgebung von Barbate ist richtig schön, so bin ich hier durch den unteren Teil eines Naturschutzgebietes das sich bis nach Huelva hoch erstreckt bis zum Cabo Trafalgar gewandert. Auf jeden Fall sehr sehenswert.

Nun geht es aber direkt nach Cadiz, erst mal einen Leihwagen nehmen und noch mal in Tarifa und Sancti Petri vorbeischauen, die beiden Häfen hatte ich ja auf dem Weg nach Norden ausgelassen. Wenn ich denn aber das Buch schreiben will sollte ich zumindest mal da gewesen sein. Als ich mir Tarifa anschaue bin ich mit der Stadt schnell durch. Einen schönen Strand hat sie, ist ja nicht auch zuletzt des Windes wegen und der schönen Strände bei den Windsurfern und Urlaubsgästen bekannt. Die Altstadt hat auch was, aber hier ist man eben schnell durch. So gehe ich mir ein wenig die Umgebung anschauen. Dabei entdecke ich einen Wanderweg der auch entlang der Straße von Gibraltar geht. Von Tarifa bis nach Algeciras. Da ich genug Zeit habe, mit Isabell und Matthias will ich mich erst Abends in Barbate zum Thunfisch essen treffen, gehe ich weiter. Richtig schön ist es hier, es geht die Küste rauf und runter, Natur pur. Ha, so habe ich die “Strasse von Gibraltar“ auch noch nicht gesehen. Falls hier mal einer vorbeikommen sollte: Es ist eine Wandertour wert.

Dann kommt Ini für ein paar Tage an Bord, wir wollten ja noch ein wenig segeln gehen. Der Wind ist nicht so dolle, so geht es von Cadiz nach Chipiona. Ini macht sich am Steuer richtig gut . . . Ihre letzten Segelerfahrungen liegen schon eine Weile zurück . . . schön sich mal mit dem eigenen Schiff durch die Gegend segeln zu lassen. Obwohl Ini ja schon seit 15 Jahren in Cadiz wohnt war sie noch nicht richtig in Chipiona gewesen, nur auf der Durchreise. So sehen wir gemeinsam ein wenig von der Stadt und der Gegend. Schon nett hier . . . Ini hat von einer Bodega gehört die hier sein soll. Als wir die Suche schon aufgeben, sagt Ini noch, lass uns noch bis um die Ecke gehen und schauen was da ist, zurück zu der einen Tapasbar die wir schon ausgesucht haben können wir immer noch . . . Was soll ich sagen, genau hinter diesen letzten Ecke ist dann die gesuchte Bodega . . .und sie ist richtig gut . . . es gibt hier Portionen, das wir bei dem Preis denken sie würden uns statt der bestellten Tapas die halbe Portion bringen . . . es seien aber die Tapasgrößen sagt der Kellner 🙂 Hach, da könnte ich mich schon ‘dran gewöhnen.

Nach ein paar Tagen kommt noch eine Freundin von Ini aus Amsterdam, die beiden hatten schon länger einen Urlaub in „Zahara de la Sierra” geplant. Ich muss ja auch langsam weiter, ein paar Häfen gilt es noch anzuschauen und viel Zeit ist nicht mehr, es wird Nachts nun auch schon empfindlich kalt . . . unter 20 Grad . . . Ok, das ist in Deutschland zu dieser Zeit schon empfindlich kälter. So setzte ich Ini dann in Rota ab, schon Schad’ das sie so schnell wieder weg ist, aber Sie kommt ja noch mal nach Lissabon . . . und Ende 2018 auf dem Weg in den Süden komme ich ja nochmal hier vorbei.

Die nächsten Häfen Mazagon, Huelva und Punta Umbria sind je eher eine Enttäuschung, soviel sei schon mal vorweg gegriffen. Südlich von Huelva ist ein riesen Hafen und dazugehörend ist da ein riesiges Industriegelände. Tagsüber kommt aus ein, zwei Schornsteinen nur Wasserdampf, als ich aber Abends aus Huelva zurückkomme und mich dichter Nebel auf dem Weg nach Haus umgibt bekomme ich schon ein wenig Sorge. Als mein Nachbar meinte, ich sollte wenn ich hier länger liegen bleibe in jedem Fall alle zwei Tage über das Schiff spritzen macht mir das noch mehr Sorge. Da schaue ich doch mal lieber noch mal im Internet . . . die höchste Krebsraten in ganz Spanien, wegen der Umweltverschmutzung sollte dem Industriepark auch schon mal die Betriebserlaubnis entzogen werden . . . Urgs, schnell weg hier . . . obwohl Huelva eigentlich eine wirklich schöne Stadt ist. Punta Umbria und Mazagon haben eher den Charme wie viele der Touristenstädte die sich im südlichen Mittelmeer befinden. Das ist nicht wirklich meins . . . da nun auch die Häfen nicht mehr so einfach anzulaufen sind. Sie liegen immer an Flüssen und die Sandbarren verlagern sich ständig. So muss ich stets bei ablaufendem Hochwasser auslaufen, kann aber in den nächsten Hafen nur bei auflaufendem und Hochwasser und bei Tageslicht wieder einlaufen. Die Häfen sind aber gerade mal 10 Seemeilen auseinander. Das macht wenig Sinn, so müsste ich immer 24 Stunden zwischen ein- und auslaufen draußen warten.

So beschließe ich direkt nach Vila Real de Santo Antonio zu segeln. Heike und Fernando, die beiden habe ich damals in Sesimbra kennengelernt, sind auch da und habe mir schon einen Liegeplatz reserviert. Und ein paar Häfen kann ich mir auch mit dem Fahrrad von da aus anschauen.

Eine nette Begrüßung mit anschliessendem Abendessen bei den Beiden, das war schon schön. Fernando kann ja richtig gut kochen . . . am nächsten Tag komme ich noch zufällig beim Mittagessen dort vorbei und werde auch gleich wieder eingeladen, da könnte ich mich schon dran gewöhnen 😉

Zu meiner großen Freude sagt die Wettervorschau, das Ende der Woche ein Tiefdruckgebiet vor Portugal nach Norden zieht. Ich will die Chance nutzen und mit passendem Wind nach Lissabon kommen, das spart jede Menge Zeit mit dem Wind zu segeln als gegenan. OK, es ist wie es immer so ist mit den Vorhersagen: mit jedem Tag den ich nun schaue wird das Tief immer schneller, so muss ich mich noch beeilen, das ich am Dienstag anstatt Freitag den günstigen Wind erwische . . .

Am Dienstag geht es dann wirklich los. Sollte alles passen könnte ich in der Nacht zum Donnerstag schon in Lissabon sein. Leider kommt es ein wenig anders :-/

Mit dem drehenden Wind baut sich in der Straße von Gibraltar ein Ostwind auf. Von dort kommt dann den ganzen Tag ein total blöder Schwell, der mit den restlichen Wellen eine total doofe Kreuzsee aufbaut, nicht hoch, aber in einem so blöden Winkel und Frequenz, das die nOa die ganze Zeit von links nach rechts geworfen wird. Hinter Cabo Sao Vincente wird es ruhiger werden. Leider ist der Wind aber so schwach, das ich erst Mittwoch morgen am Kap sein werde. Grumpf. OK, es ist nicht zu ändern. Mittwoch hinter dem Kap wird es dann wirklich besser, der Wind frischt auf, der Schwell ist weg. Puuh, Glück gehabt, alles ist wieder gut . . .

Bis dann am späten Abend der Wind völlig einschläft. OK, es hat einen Vorteil, es ist wirklich überhaupt keine Welle. Ich lieg’ hier mitten auf dem Atlantik vor der Küste Portugals und es fühlt sich an als ob ich irgendwo im Hafen sei. So kann ich mich in Frieden hinlegen. OK, ich treib so die Nacht in einem wunderschönen Kreis vor der Küste her, und einmal die Stunde aufstehen muss ich trotzdem, nicht das mich ein Fischer ohne AIS über den Haufen fährt.

Um drei Uhr morgens, als ich gerade auf dem Klo war, und das Klopapier draußen entsorgen will eine Überraschung: ich spüre doch da einen Luftzug im Gesicht . . . die Freude ist groß. Also schnell die Segel hoch. Jetzt passiert etwas wirklich seltenes, dadurch das das Wasser so spiegelglatt ist, nimmt die nOa sofort richtig Fahrt auf und segelt bei ca 1 BFT mit 3 Knoten Richtung Lissabon. Wow, das ist schon nett. Im laufe des Vormittags frischt der Wind noch richtig auf. So werde ich genau mit auflaufende Flut in den Tejo kommen. Yeah, heute läufts.

Direkt vor Cabo Espichel auf einmal so ein komisches Geräusch: ein trockenes “Pock” . . . das hatte ich schon zweimal auf der ersten Fahrt . . . einmal ist mir das Rod gerissen an dem mein Großsegel läuft, das andere mal die Halterung vom Achterstag . . . beides nicht gut . . . Also mal schauen was nun passiert ist. Tja, 2 Minuten geschaut, der Schrecken ist groß, eine der drei Streben des Dreieckprofils des Baums ist gebrochen . . . . zwei sind noch heil, aber mit dem Großsegel kann ich so nicht mehr segeln. Also runter damit. Als ich nun noch das Großsegel zusammenpacke sehe ich, der Lümmelbeschlag ist auch zu 80% abgerissen. Puh, Glück gehabt. OK, alles festzurren. Bis nach Lissabon sind es noch 15 Meilen, das geht auch mit der Fock. Leider schläft hinter dem Kap nun der Wind ein, also den Rest Motoren, jetzt ist es auch egal, die letzten Meilen . . . Dann in ich endlich wieder in Lissabon. Erst Mal ins Doca de Alcantara um alle Termine abzusprechen, dann nach Seixal und dann ab in den Tagus. Der Winter kann kommen 🙂