Gleich dreimal Landesende, da kann man schon mal durcheinander geraten

Der Wetterbericht sagt es kann am Mittwoch ggf. ein wenig windig werden in der Biskaya. Aber ich muss mal langsam weg aus England. Da ich sowieso erst einmal Richtung Brest segeln muss, kann ich dort immer noch entscheiden ob ich weiterfahre oder nicht. Die Navtex Daten sind da recht zuverlässig. Wenn sich nun Navtex und Grib noch einig sind ist alles gut 🙂

Also erst mal los Richtung Brest.

Die Norweger neben mir haben quasi das gleiche vor, allerdings werden sie in jedem Fall in Camaret einen Zwischenstopp einlegen. Ihnen ist es zu windig. Sie haben aber auch ein kleines Schiff, ca 28 Fuss, aber sie wollen auch mit der ARC über den Atlantik, da ist die Biskaya schon mal ein guter Test.

Ich werde die nOa hier auch mal ein wenig testen. Die Windsteueranlage ist bisher ja noch nicht länger als eine Stunde gelaufen und in Starkwind ist sie auch noch nicht gesegelt. Da passt das alles ganz gut . . . wie gut soll sich später noch herausstellen.

Bis nach Brest kann ich zuerst noch segeln, dann schläft der Wind leider völlig ein. Das kann ja noch ein Spaß werden. Also Motor an, und Richtung TSS Ushant. Hier fahre ich dann morgens um 3 vor dem TSS durch den Berufsverkehr. Dank AIS, das ist ja wirklich ein Segen, fragt mich doch tatsächlich ein Tanker per UKW an ob ich lieber vor ihm oder hinter ihm passieren möchte. Das ist ja ein Traum. Ich erinnere mich gerne an die Querung von Gibraltar, da wollte mich, auch ein Tanker geradewegs überfahren.

Die Wettervorhersage kommt nun auch per Navtex rein. Corsen und A Coruna sind sich sicher, das wird doch kein „Near Gale“, sondern einfach nur eine 5-6 BFT und das auch nur am Anfang der Biskaya.

OK, der Plan steht, ich fahre einfach einen Bogen. Dann ist die Biskaya geschafft und ich habe endlich ein wenig Ruhe. Falls es doch ein wenig heftiger wehen sollte will ich auf jedem Fall von dem Kontinentalschelf runter sein. Hier kann es bei Sturm sehr unangenehm werden. Der Grund der Biskaya kommt von ca 4000 auf 130 Meter hoch und das innerhalb von ein paar Seemeilen. Da sind brechende See und kreuzlaufende See keine Seltenheit und wirklich unangenehm. Also geht es weiter unter Motor 180° Süd. Jetzt zieht sich nur der immer zu und es kommt leichter Nebel auf. Das hat ja immer ein bedrückendes Gefühl, unter Sternenhimmel habe ich mich irgendwie immer geborgener gefühlt. Zwei, drei Stunden Später zieht dann alles wieder auf und mir geht es auch gleich wieder besser. Um 3 Uhr morgens ist es dann geschafft. Der Traum: nun kommt auch der Wind wieder. Segel gesetzt und weiter unter Segel. Schön ist ja wirklich immer der Übergang vom Kontinentalschelf in die Biskaya. Hier fängt immer irgendwie das Leben an. Die lumineszierenden Algen und Kleinstlebewesen. Auf einmal glitzert alles um die nOa herum. Weiter weg auch größere Runde und Kreisförmige, alles leuchtet blinkt und blitzt auf einmal. Wow, die Natur ist schon richtig schön.

Da kann ich wenigstens Stundenweise schlafen. Ich habe mir ja angewöhnt einmal die Stunde aufzustehen und alles zu kontrollieren.

So geht es dann weiter in den Tag hinein und alles läuft wie am Schnürchen.

In der Nacht kommen dann die angesagten 5-6 BFT, aber ich bin ja vorbereitet und alles geht gut. Das mit dem reffen muss ich noch ein wenig üben, aber das ist ja bei Schiffen die man zum ersten mal segelt immer so.

Am nächsten Morgen nachdem ich alles wieder ausgerefft habe, ich schaue mal so über alles drüber, ein Riesenschreck: Der Mastfuß hat sich völlig verbogen. Er steht ja in der Mitte auf einem Dorn, das hat leider die immensen Kräfte nicht ausgehalten. Alle drei Enden sind ja 1 cm nach unten durchgebogen. Also erst mal überlegen. Eigentlich habe ich ja alle mit. In meinem Fundus aus Halbzeugen findet sich tatsächlich etwas, so kann ich zwei Platten zusammenlegen und wie einen Keil an die drei Stellen unter den Mast treiben. Das sollte zumindest das nächste Starkwindfeld aushalten. Ich muss ja nicht mit voller Besegelung fahren. Also erst einmal weiter, was anderes bleibt mit ja eh nicht übrig. Bis nach Brest sind es 120 SM und nach La Coruna 180, beides nicht in ein, zwei Stunden zu erreichen. Die Nacht kommt, und um 20 Uhr wird der Wind dann stärker, also nicht lange fackeln, gleich alles runter, ich möchte ja nicht auch noch Mastbruch erleiden. Das schöne ist: der Wind kommt direkt von der Seite, so kann ich mit halbem Wind und ca 7 Knoten Richtung La Coruna fahren, alles ist gut.

Am nächsten Morgen schläft der Wind dann wieder ein und ich kann wieder ausreffen. Nun scheint alles wieder zu laufen. Ich kann sogar weiter Richtung La Coruna segeln. Besser kann es ja echt nicht kommen.

Bis 20 Uhr ist dann auch noch alles Gut. Dann kommt der Schwell von dem Sturm im Atlantik und der Wind schläft völlig ein. Ich hatte mir ja vorher schon ein paar Alternativhäfen ‚rausgesucht. So soll es nun Viveiro werden, das sind ca 40 SM und in 8 Stunden gut zu erreichen. Dann kann ich mich wenigstens in Frieden ausruhen. Bei Schwell ohne Wind lässt es sich auch nicht wirklich gut schlafen. Das heißt dann zwar das ich vor 3 Uhr nicht ins Bett komme, aber immerhin ist dann Ruhe und ich kann in Frieden schlafen. Aus 3 Uhr wurde dann 4 Uhr, aber nun ist alles fest und ich lege mich hin.

Biskaya „Die Dritte“ Check.

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