Golfo de Cadiz

Nach fünf Tage steht der Wind gut, zwar ein wenig windig, 7 BFT aber aus Nord, da kann sich auf der kurzen Strecke keine richtige Welle aufbauen. Also los, so komme ich dann auch schnell über den Golf von Cadiz. Udo wartet in Puerto de Santa Maria und hat mir auch schon einen Liegeplatz reserviert. 100 Seemeilen, wenn ich 7 BFT bei halben Wind habe, bin ich in 24 Stunden dort. Und tatsächlich. In 23 Stunden schaffe ich es über den Golf bis nach Santa Maria . . . ich habe aber in der Nacht kaum schlafen können, da ich die RazFaz schon ein wenig übertakelt gefahren bin und der Windpilot dann nicht immer sauber arbeitet. Die RazFaz läuft dann schon mal aus dem Ruder. Aber egal, dafür bin ich schnell dort. Der Hafen ist relativ teuer, dafür haben sie aber Internet. Die Stadt selber hat einen gewissen Charme, Columbus soll ja von hier bei seiner zweiten Reise losgesegelt sein . . . Viele nette Kneipen gibt es in der Altstadt, viele Bodegas . . . ich war auch mal zu einer Weinprobe eingeladen. Es ist schön schön hier. Wer mag kann auch günstig draussen in einer der Buchten ankern.

Ich will mir auch noch ein wenig die anderen Städte in der der Bucht von Cadiz anschauen, so segle ich nach zwei Wochen nach Rota. Ich bin mir nicht sicher, aber mir scheint hier ist der größte Amerikanische Stüztpunkt außerhalb Amerikas . . . jeden Tag kommen Osprey Drehflügelflugzeuge Herkules Transporter vorbei . . . das ist schon beeindruckend. Morgens lag auch mal ein kleiner Flugzeugträger der Spanier im Hafen . . . da ist schon was los. Und hier sprechen sie schon mal eher englisch, kein Wunder bei so einem riesen Stützpunkt nebenan.

Ich bin mal mit dem Bus nach Cadiz gefahren. Da fährt man ca 30 min um den Stützpunkt ‚rum. Die Stadt selber hat auch was. Sie ist nicht so groß und überlaufen und man kommt schnell mit den Leuten hier in Kontakt. Direkt am Hafen ist auch ein leckeres Fischrestaurant . . . das einzig blöde . . . kein Internet im Hafen. Hier hilft dann nur die UMTS Karte oder der Pup im Hotel neben an. Bei Hochwasser kann ich mich ja mit meiner Super-WLAN Antenne dorthin verbinden, das klappt aber nur bei Hochwasser :-/

Hier lerne ich auch Peter aus England kennen. Er lebt schon seit Jahren hier im Hafen. Seine Weltumseglung hat er abgeschlossen. Eigentlich will er auch zurück nach England, kein wunder, er spricht ja auch kaum spanisch. Dann ist das hier alles nicht ganz so einfach.

Eine Woche noch, dann kommen Elsy und Miguel aus Cascais nach Cadiz, also treffen wir uns dort im Hafen. Wirklich schön die beiden wiederzusehen. Die beiden wollen nun auch den Winter hier bleiben, das ist fein. So wird das bestimmt eine schöne Zeit. Wir schauen dann gemeinsam noch nach einem Hafen. Gut das Miguel Spanier ist, das macht vieles einfacher, gerade bei dem Real Club Nautico de Cadiz . . .der einzige mit Internet hier. Ich will ja ein wenig spanisch lernen, das geht fast nur online, so brauche ich ein schnelles Internet ohne Beschränkung. Also buchen wir uns hier ein . . . und liegen auch noch nebeneinander, hach, das hat ja was. Ich lerne auch so viele Freunde von Miguel kennen , er hat ja in Puerto Real studiert. So bekommen wir auch ein Auto von Freunden von ihm geliehen und können uns ein wenig die Gegend anschauen. Cadiz ist ja schon eine schöne Stadt. Der Yachthafen liegt zwar ein wenig Abseits und es sind ca 10 Minuten zu Fuß über den Wellenbrecher.

Die Altstadt selber ist aber wunderschön. Da die Altstadt quasi auf einer Insel liegt die erst später mit dem Festland verbunden wurde hat sie den Vorteil, das sie von der Fläche her begrenzt ist. Der Spanier, der ja von seinem Wesen her er nichts verändern möchte sorgt dann dazu das sich hier eine kleine Stadt innerhalb der Stadt erhalten hat. Wunderschön.

Ich werde also nun den Winter hier verbringen, das ist sicher. Elsy und Miguel müssen leider wieder arbeiten gehen. Die beiden haben Ihr ganzes Geld schon ausgegeben und lassen die Courage bis zum nächsten Frühjahr hier liegen. Elsy hat eine Stelle in Barcelona gefunden. So reisen die beiden im Dezember ab. Ich schaue nach noch ein wenig nach Ihren Schiff und fange endlich an spanisch zu lernen.

So vergehen die Tage. Eines Tages spricht mich eine Niederländerin Ini an, wie sich herausstellt lebt sie schon seit dem Jahr 2000 hier in Cadiz. Sie ist freiberufliche Künstlerin, wir Freunden uns an und ich komme mit vielen Freunden von Ihr in Kontakt. Ich lerne die Stadt von einer ganz anderen Perspektive kennen. Wir gehen in viele Tapasbars, schauen und Flamenco an. Auch die Umgebung von Cadiz, das sonst so sonnenverbrannte Andalusien ist im Winter wunderbar grün. Es ist einfach schön hier zu sein. Allein die von Ini so gern besuchten „Weißen Dörfer“ mögen mir nur gar nicht gefallen. Überall weiße Wände halt . . . Wie hat noch ein Freund von Ihr gesagt: Kein Wunder, wer so lang auf See war, den können kleine enge Gasse nicht mehr wirklich begeistern.

Der Karneval von Cadiz ist aber wirklich sehenswert. Hier kommt die ganze Stadt zusammen und feiert. Aber nicht so wie in Deutschland. Hier trinken die Menschen nicht einfach sinnlos, sondern haben einfach nur Spaß. Auf den größeren Plätzen gibt es Konzerte die nichts kosten. Hier und dort ziehen kleine Grüppchen umher und machen spontan eine Vorführung in einem Hauseingang. Zu den großen Umzügen gibt es auch keine Absperrung. Der Weg ist vorgegeben, und wenn die Truppe, die vorher auf einem Platz war Ihre Vorführung beendet hat rutscht die nächste halt nach. Da gehen dann auch die Zuschauer einfach einen oder zwei Schritte zurück, damit die Traktoren fahren können, und weiter geht es. Mittlerweile finde ich die Spanische Lebensart einfach wunderbar. Wir Deutschen wirken dahingegen immer so „laut“, die Spanier sind da viel zurückhaltender. . . Ich habe auch selten eine Autohupe wahrgenommen. Das brauchen sie hier einfach nicht. Ich mag es an dieser Stelle kaum sagen wollen, aber ein bisschen hat diese Einstellung etwas von den Engländern . . . Aber bitte nicht den Spaniern verraten, nachher mögen sie mich nicht mehr 😉

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