Biskaya – ein bisschen Sturm

So, nun ist alles für die Nacht vorbereitet. Ich bin ja noch nie bei 8 BFT gesegelt. Schon gar nicht allein bei Nacht. Mir bleibt ja nun nichts anderes mehr übrig. Also einfach mal abwarten. Und es kommt richtig schlimm: die Sturmfock ist immer noch zu groß, und das Groß irgendwie auch. Jetzt merke ich schon, das die RazFaz eigentlich nur für den Küstenbereich geplant war. Sie neigt sich halt schon sehr schnell wenn der Wind in die Segel weht. Jetzt im Nachhinein betrachtet hat das ja auch Vorteile. So kommt nie besonders viel Kraft ins Rigg . . . allerdings werde ich mich auf Leegerwall auch nie richtig frei segeln können. Also in der Nacht nochmal das Vorsegel wechseln. Das ist ja schon ein Aufwand, das alte Segel abnehmen und das neue komplett neu anschlagen. Dann mit dem Segelsack nach hinten und alles verstauen. Ich bin jedes mal schweißgebadet . . . Später dann wird es mir zu viel, ich muss auch noch das Groß wegnehmen. Mehr als 45 Grad dauerhaft sind echt nicht angenehm. Das ganze geht dann noch drei Nächte so . . . am dritten Morgen hört dann alles auf. GottSeiDank. Ich bin ja in der Zwischenzeit ein wenig seekrank geworden. Richtig doof: so hatte ich aber die Tabletten zu Haus im Medizinschrank gelassen . . . Wie Blöde ist das denn?

Resümee: ich bin viel weiter in der Biskaya als ich wollte. Die Schraube ist blockiert und ich kann nur noch segeln. Der beste Hafen schien mir dann Gijon zu sein . . . also los. Der Wind kommt nun von West und ich kann mit halbem Wind segeln. Juheee! Später, in der Nacht dreht der Wind dann auf Nord, also Blister raus, ich will so schnell wie möglich in einen Hafen. Duschen, was ordentliches essen ect. In der früh kann ich auch schon den Lichtkegel von Gijon sehen. Dann schläft der Wind ein. Komplett! Na klasse. 25 Meilen vor dem Hafen, Motoren geht ja nicht, also warten. Der nächste Tag kommt aber leider kein Wind. So liege ich bei 30 Grad im Cockpit und schaukele so vor mich hin. Alles quietscht und knarrt, das macht einen ja wahnsinnig . . . den ganzen Tag kein Wind, die Nacht auch nicht. Ich werd‘ verrückt. Den Lichtkegel von Gijon vor Augen und ich komm nicht hin.

Am nächsten Vormittag kommt ein wenig Wind 1-2 BFT aber immerhin. So kann ich nun an einem Amwind Kurs Richtung Gijon segeln. Meine Versuche den Hafen per Funk zu erreichen sind leider erfolglos. Nachdem ich nun ein GSM Netz habe rufe ich meine Schwager an und frage nach der Spanischen Vorwahl, die steht blöderweise nicht im Reeds. Telefonisch erreiche ich den Hafen, GottSeiDank und klar, sie können mich ‚reinschleppen, ich solle halt bis 20:00 Uhr da sein, danach sei Feierabend . . . warten können Sie nicht, nein.

Ich schaffe es bis 19:45, meine Güte, endlich.

Gijon und festen Boden unter den Füßen!

Beim einchecken fragt mich das Mädel tatsächlich warum ich erst heute komme, gestern Abend gab es freien Cidre für alle in der Altstadt . . . na super. In der Nacht lag ich doch völlig verzweifelt vor Gijon und kam nicht hin :-/

Hier habe ich dann auch das Britenpärchen die mir auf der Biskaya die Tauchausrüstung geliehen hatten wieder getroffen. Wie geil ist das dann bitte. Die beiden sind super nett und wir haben einen angenehmen Abend auf Ihrem Schiff.

Den nächsten Tag komme ich noch mit Udo in Kontakt, auch ein Deutscher, der mit einem 7 Meter Schiff mit Hubdach unterwegs ist. Mir fiel dann auch auf, das ich Ihn in Camaret gesehen hatte. Ich habe mich noch kurz gewundert das er auch um die Zeit unterwegs ist. Da die Strömung passend für die Biskayaquerung war, ich dachte noch das wird er mit dem Schiff doch nicht machen. Doch hat er und das bei dem Sturm, Respekt! So haben wir noch einen schönen Abend in einer Kneipe in Gijon und ein paar schöne Tage dort. Dann fährt er weiter, noch ein wenig vor Anker liegen in einer Bucht. Vielleicht sehen wir uns ja in La Coruna wieder.

Hier lerne ich auch zum ersten Mal die wirklich von Herzen kommende Hilfsbereitschaft der Spanier kennen. Es ist mir zweimal passiert, das ich auf offener Straße einen Stadtplan entfaltet habe, nun kamen innerhalb von einer Minute direkt Spanier auf mich zu und fragten mit ob sie helfen können. Blöd nur das ich kaum spanisch kann und die Spanier kaum englisch.

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