La Coruna bis Cascais (Lissabon)

Nach zwei Wochen Gijon breche ich dann bei achterlichem Wind nach La Coruna auf. Am Nachmittag geht es los, ein, eineinhalb Tage so denke ich. Der Wind wird dann aber in der Nacht so stark, das der Windpilot die RazFaz nicht mehr auf Kurs halten kann, und das obwohl ich nur die Sturmfock als Segel verwende. So muss ich die ganze Nacht am Steuer bleiben, und das ist kein Spaß. In jeder Welle gegensteuern und dann wieder zurück, puhh, was bin ich durch. Aber dafür bin ich schnell in La Coruna, am Nachmittag laufe ich bei 35Grad im Schatten ein und bin völlig durch den Wind. Aber egal erstmal da: La Coruna juhee!

Ich finde die Stadt ja super, ich war vor ein paar Jahren schon mal für eine Woche hier, und habe auf ein Schiff gewartet das dann nach Lissabon gesegelt werden wollte. So hatte ich eine Woche Zeit die Stadt kennen zu lernen . . . Und sie ist wirklich schön! Ich habe selten so nette aufgeschlossene Menschen getroffen. Wir sind hier viel in unzähligen Kneipen versackt.

Diesen Abend ist auch noch Oktoberfest hier, Nürnberger Rostbratwürstchen mit Kartoffelpüree und Sauerkraut und das in Spanien. Dazu gab es dann typische Oktoberfestmusik und den Ententanz . . . das fand ich geht dann aber doch zu weit 🙂

In der Nacht kommt dann auch noch Udo. GottSeiDank weckt er mich nicht mehr auf. So sehe ich Ihn erst am nächsten Tag.

Am nächsten Abend ziehen wir dann gemeinsam los. Enden tun wir in der Kneipe von Beatrice im El Ambigou. Wirklich nur zu empfehlen. Die kleine Kneipe liegt oben auf dem Berg der Altstadt direkt neben der Kirche. Es lohnt sich mal ‚reinzuschauen.

Ach so, ja, wenn Ihr nach La Coruna kommt. Ich denke der schönere Hafen ist der des MRCNC direkt in der Stadt. Hier sprechen sie zwar nicht so gut englisch, dafür sind sie aber supernett und bringen mir auch noch ein wenig spanisch bei. Die Duschen sind direkt am Kai und das Internet ist auch fein. Zur Innenstadt sind es 30 Sekunden. Der andere Hafen hat schönere Pontons und es kommen mehr Segler vorbei. Aber zur Dusche braucht man da schon ein Fahrrad. In die Innenstadt sind es 5-10 Minuten zu Fuss, auch zum Supermarkt.

So, 14 Tage sind auch schnell um, so soll es auch mal weitergehen. Das Capo Finesterre ist ja schon eine windige Gegend und ich will es noch hinter mich bringen. Der Wind passt also los . . . Leider passt der Wind dann nicht ganz. 10 Seemeilen vor Camarinias schläft er ein. OK erst mal warten, vielleicht kommt er ja wieder . . . aber nein, nix!

Also Motor an, ich entschließe mich in Camarinias einzulaufen. Die ganze Nacht durchmotoren will ich nicht. Jetzt kommt nur von hinten ein Schiff auf mich zu. Ich sehe ein rotes, ein weißes und darüber noch ein weißes Licht. Diese Lichterführung bedeutet. Schiff unter Motor mit mindestens 110 Meter Länge. Da die beiden weißen lichter direkt übereinander stehen bedeutet dies: der fährt genau auf mich zu. Auf dem AIS ist aber nix zu sehen. Ich bekomme einen Riesenschreck und versuche weiter an die Küste zu kommen. Das andere Schiff macht nur genau das gleiche, wie verrückt ist das denn? Eine Viertelstunde später klärt sich alles auf. Das war einfach nur ein andere Segler der den gleichen Kurs nehmen wollte. Er hatte nur das Ankerlicht mit eingeschaltet. Ich könnte ihn würgen, die Lichterführung ist nicht umsonst vorgeschrieben. Ich habe wirklich Angst bekommen und dachte ein Berufsschiff fährt mich gleich noch über den Haufen.

Egal, nun ist ja alles gut und ich lege in Camarinias um drei Uhr morgens an, erstmal schlafen.

Als ich mir am nächsten Tag die Wetterdaten anschaue war es auch ganz gut hier untergekommen zu sein. Eine Kaltfront soll durchziehen, sie soll auch recht viel Wind und Gewitter mitbringen. Im Anschluss kommt ein Starkwindfeld. Aber ich liege ja sicher . . .

Nach drei Tagen beschließe ich weiter zu fahren, es soll zwar 5-6 BFT geben, aber die Küste runter, also von hinten. Das sollte kein Problem sein.

Weiter geht’s also. Kurz nach dem Cabo Finisterre kommt tatsächlich Wind, aber nicht zu knapp. Mir ist das schon so viel, das gerade mit der immer größer werdenden Welle ich mich nicht mehr traue einen Hafen anzulaufen. Also besser draußen bleiben. In der Nacht wird es dann richtig heftig. Einmal läuft das Cockpit voll, zehn Minuten später wieder. Das ist mir zu viel. Wenn das Cockpit noch nicht abgelaufen ist wenn die neue Welle einsteigt läuft mir alles ins Schiff. Das will ich nicht riskieren. Also lieber den Bug in den Wind und das Vorsegel back gestellt. Noch wo ich das vorbereiten will bricht eine Welle direkt über der RazFaz. Ich bin noch froh im Cockpit angeleint zu sein, sonst hätte es mich wohl von Bord gespült. Die Rettungsweste denkt auch ich sei ins Wasser gefallen und löst gleich erst mal aus. Jetzt stehe ich da wie ein Michellinmänchen. Also erst mal das Schiff drehen und dann weitermachen. So, sie liegt sicher und wettert ab. Jetzt erst mal runter und die Rettungsweste klar machen. Luft rausdrücken ect. noch wo ich das mache merke ich wie mir schwummerig wird. Das CO2 mit dem Plastikgeruch und diese wilde Schaukelei . . . wieder Seekrank, na klasse.

Damit die RazFaz besser von dem Windpilot gesteuert werden kann starte ich den Motor und lasse ihn fast im Standgas mitlaufen, dann dreht es die RazFaz ein wenig mehr in die Welle hinein. OK nach einem Tag in der der Motor mitläuft passiert es dann.Der Motor geht aus . . .nix startet mehr. Klasse, ich habe ja ein Segelschiff, aber so ein funktionierender Motor ist schon was feines. OK, dann geht es erst mal ohne weiter. Während dessen kommen per Navtex für das Seegebiet weiter draussen Warnungen vor schwerer See für die Berufsschifffahrt rein. Ich kann die schwere See bestätigen, das ist kein Spaß ;-/ Aber was soll ich machen, weiter abwarten, wenn’s nicht schlimmer wird ist ja auch nix weiter zu tun.

Wieder nach drei Tagen wird das Wetter besser. Ich bin ja die ganze Zeit vor der Küste hin und her gekreuzt. So soll es nun nach Cascais gehen. In dem Hafen sollen sie passende Infrastruktur haben, sagt der Reeds. Also nichts wie hin. Vor Peniche steuere ich wieder näher an das Festland, weiter unten ist noch ein VTG und das wollte ich besser auf der Küstenseite passieren als weiter draußen, das wäre ein Riesenumweg. Direkt vor Peniche schläft dann nachts wieder der Wind ein. Das hat ja auch was gutes, so kann ich mich auch richtig hinlegen. Am nächsten Morgen kommt dann der Nebel, ganz ohne Wind, ist ja klar. Also Nebelhorn an und abwarten. Drei, vier Stunden später kommt ein Ire aus der Nebelwand geschossen und fährt mich fast über den Haufen. Er kann gerade noch ausweichen. Echt super, wie kann mal nur so schnell fahren wo man nix sieht. Ich schreie Ihm noch zu ob er mich nicht mitnehmen kann, da verschwindet er auch schon wieder. Na klasse! Nach zwei Minuten höre ich wieder ein Schiff. Der Ir(r)e von gerade, er ist zurückgekommen und mag mich abschleppen wollen. GottSeiDank, damit hatte ich nicht mehr gerechnet. Richtung Cascais wollen die auch, unglaublich. Ich hatte ja zuerst verstanden das sie „Cash“„Cash“ haben wollen, aber das Missverständnis hat sich rasch aufgeklärt. Also alles vorbereiten damit sie mich abschleppen können. Nachmittags sind wir da in Cascais. Puuh, was bin ich froh erst mal fest zu machen. Sonntags haben eh keine Werkstätten auf, so kann ich mir ein wenig den Hafen und die Stadt anschauen.

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